Wenn sich der Garten im Herbst langsam zurückzieht, beginnt für viele Stauden die Winterruhe. Verblühte Stängel und braune Blätter wirken auf den ersten Blick vielleicht unordentlich, erfüllen aber wichtige Aufgaben: Sie schützen die Pflanzen und bieten Insekten wertvolle Überwinterungsmöglichkeiten.
Deshalb lohnt es sich, mit dem Rückschnitt bis zum Frühjahr zu warten. Doch welche Ausnahmen gibt es, welche Stauden freuen sich über einen zusätzlichen Schutz und wie lässt sich der Garten gut auf den Winter vorbereiten?

Gartentipps aus erster Hand:
SWR Aktuell im Interview mit unserer Gartenexpertin Anne Rostek
Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Rückschnitt? Welche Stauden profitieren von ihrem alten Laub, und worauf kommt es beim Winterschutz an? Unser Gartenexperte gibt Einblicke in die gärtnerische Praxis und erklärt, worauf es bei der Pflege von Stauden im Spätherbst und Winter ankommt.
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Welche Stauden werden im Herbst zurückgeschnitten?
Bei den meisten Stauden kann der Rückschnitt bis zum Frühjahr warten. Das alte Laub bietet Schutz, und die Samenstände bringen mit Raureif schöne Winterbilder in den Garten.
Eine Ausnahme bilden Pfingstrosen: Sobald sich ihr Laub im Spätherbst verfärbt hat, lässt es sich bodennah abschneiden. So entfernen Sie Pflanzenreste, an denen Pilzkrankheiten überwintern können.
Auch nach einem sehr nassen Herbst kann es sinnvoll sein, verfaulte Staudenblätter zu entfernen. Schneiden Sie dabei bis zu den bodennahen Überwinterungsrosetten zurück. Hohe Stauden, deren Stängel im Spätherbst umknicken, können Sie ebenfalls einkürzen.
Ziergräser: schöne Winterbilder und natürlicher Schutz
Ziergräser dürfen den Winter über ihre ganze Schönheit zeigen. Mit Raureif überzogen, entfalten ihre Halme und federartigen Blütenstände einen besonderen Charme und verleihen dem Garten auch in der kalten Jahreszeit Struktur.
Bei größeren Gräsern wie Chinaschilf bietet es sich an, die Halme vor dem Winter locker zusammenzubinden. Das hält sie aufrecht und kann das Pflanzenherz vor eindringender Nässe schützen. Gleichzeitig entsteht eine dekorative Silhouette, die den winterlichen Garten bereichert. Kleinere Gräser können dagegen meist ganz natürlich stehen bleiben.
Warum sich ein später Rückschnitt lohnt
Das alte Laub und die verblühten Stängel erfüllen im Winter gleich mehrere Aufgaben:
- Natürlicher Winterschutz: Pflanzenreste schützen empfindliche Pflanzenteile und halten einen Teil der Kälte ab.
- Lebensraum für Tiere: In Stängeln und Samenständen finden Insekten und andere kleine Lebewesen Möglichkeiten zur Überwinterung.
- Schöne Winterbilder: Raureif auf Samenständen und Gräsern setzt reizvolle Akzente im winterlichen Garten.
- Orientierung im Frühjahr: Die stehen gebliebenen Pflanzenteile zeigen Ihnen, wo Ihre Stauden wachsen und wo sich ein früher Austrieb ankündigt.
Sobald die stärkeren Fröste im Frühjahr vorüber sind, können Sie die alten Stängel und Blätter entfernen. Bei früh austreibenden Stauden lohnt sich ein genauer Blick, damit junge Triebe beim Rückschnitt unversehrt bleiben.
Auch schneckengefährdete Stauden lassen sich im Frühjahr leichter wiederfinden. So behalten Sie gefährdete Pflanzen im Blick, sobald die Gartensaison beginnt.
Wintergrüne Stauden vor Frost und Sonne schützen
Winter- und immergrüne Stauden behalten ihre Blätter auch in der kalten Jahreszeit. Bei längeren Frostperioden ohne schützende Schneedecke kann das zur Herausforderung werden – besonders an sonnigen Standorten.
Über ihre Blätter verdunsten die Pflanzen weiterhin Wasser. Ist der Boden gefroren, können die Wurzeln kaum Wasser aufnehmen. Die Folge ist häufig nicht das Erfrieren, sondern das Vertrocknen der Pflanzen.
Eine dünne Abdeckung aus trockenem Laub oder Fichtenreisig kann helfen, empfindliche Stauden vor Wintersonne und austrocknendem Wind zu schützen.
Behalten Sie die Witterung im Blick und entfernen Sie die Abdeckung wieder, sobald sie nicht mehr gebraucht wird. Bei milder, feuchter Witterung kann sich darunter sonst Feuchtigkeit stauen, die Pilzkrankheiten begünstigt. Auch Mäuse finden unter einer dichten Abdeckung mitunter einen geschützten Platz.

Waldstauden: Laub einfach liegen lassen
Stauden, die unter Bäumen und Sträuchern wachsen, sind an den herbstlichen Laubfall gut angepasst. Für viele von ihnen ist das Laub sogar ein willkommener Bestandteil ihres natürlichen Lebensraums.
Es schützt den Boden, zersetzt sich nach und nach zu wertvollem Humus und liefert Nährstoffe. Gleichzeitig bietet die Laubschicht kleinen Tieren einen Rückzugsort.
Wenn Sie Waldstauden im Garten kultivieren, können Sie das Laub unter Gehölzen daher einfach liegen lassen. Damit unterstützen Sie die natürliche Bodenpflege und schaffen zugleich einen wertvollen Lebensraum – auch für Igel, die geschützte Plätze für ihre Winterruhe suchen.
Den Garten winterfest machen – mit möglichst wenig Aufwand
Ein aufgeräumter Garten ist nicht unbedingt ein besser geschützter Garten. Viele Stauden kommen gut durch den Winter, wenn ihre alten Blätter und Stängel bis zum Frühjahr stehen bleiben. Ein gezielter Rückschnitt bei Pfingstrosen, das Entfernen faulender Pflanzenteile und ein leichter Schutz für empfindliche, wintergrüne Stauden reichen häufig aus.
So bleibt Ihr Garten auch in der kalten Jahreszeit lebendig – und bietet Ihnen mit Raureif, Samenständen und wintergrünen Blättern immer wieder schöne Anblicke.
